Zeitzeugengespräche: "Erinnern - Erzählen - Verstehen" am 27.02., 10.03. und 24.03.2026

Mit einer dreiteiligen Zeitzeugenreihe haben wir gemeinsam mit der vhs Rhein-Sieg in den vergangenen Wochen gezeigt, wie lebendig Erinnerung sein kann – und wie nah Geschichte ist, wenn sie durch persönliche Erfahrungen erzählt wird.

Den Auftakt machte am 27.02. Peter Börner, der als Kind Flucht und Vertreibung aus Bunzlau in Schlesien erlebte. Authentisch und eindringlich schilderte er die Unsicherheit der Kriegs- und Nachkriegszeit, das Gefühl des "Dazwischenseins" vor der endgültigen Vertreibung und nach der Ankunft im Westen – aber auch, wie sich sein Blick auf diese Erfahrungen erst viele Jahre später veränderte.

Fast zufällig fand er im Erwachsenenalter über Reisen und einen Schüleraustausch, den er als Lehrer begleiten sollte, zurück zu seinen Wurzeln. Daraus entstand ein langjähriges Engagement für die deutsch-polnische Verständigung – und die Erfahrung, dass Begegnung Brücken bauen kann.

Beim zweiten Termin berichtete Ruth Kühn von ihrer Kindheit im Bombenkrieg und den entbehrungsreichen Jahren danach. Geboren 1937 in Hannover, geprägt von Luftangriffen, Angst und Mangel, führte ihr Weg nach dem Krieg nach Siegburg – über Umwege und begleitet von Erfahrungen, die eine ganze Generation teilen musste.

Mit großer Klarheit und auch Humor erzählte sie von Aufbau, Verantwortung und ihrem langen Weg ins Ehrenamt. Ihr Lebensweg steht beispielhaft für eine Generation, die das Land nicht nur physisch, sondern auch gesellschaftlich mit aufgebaut hat. Zwei ihrer Sätze bleiben besonders im Gedächtnis: „Ich möchte nicht, dass nachfolgende Generationen noch einmal Krieg und Nachkrieg erleben müssen.“ Und: „Unser Land besteht aus der Summe der Handlungen seiner Menschen.“

Den Abschluss bildete der Abend mit Stadtarchivar Jan Gerull, der als sogenannter Zweitzeuge von Interviews berichtete, die er zum 75. Jahrestag des Kriegsendes mit Siegburger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geführt hatte. Ihre Erinnerungen an die „Stunde Null“ – die letzten Kriegswochen, das Warten auf die Amerikaner, das Leben zwischen Angst und Hoffnung – zeichneten ein eindrucksvolles Panorama dieser Zeit. Viele Zuhörerinnen und Zuhörer erkannten Orte, Straßen oder Geschichten wieder – und erlebten, wie eng die große Geschichte mit dem eigenen Lebensumfeld verbunden ist.

Besonders bewegend: Mit Karl-Heinz Wiesgen war einer der damals Interviewten selbst vor Ort. Als Zeitzeuge ergänzte er die geschilderten Erinnerungen durch eigene, bis heute lebendige Erfahrungen. 

So unterschiedlich die Perspektiven der drei Abende auch waren – sie ergänzten sich zu einem vielschichtigen Gesamtbild: Flucht und Vertreibung, Bombenkrieg und Mangel, Neubeginn und Engagement. Vor allem aber wurde deutlich, dass Geschichte immer auch aus individuellen Entscheidungen, Haltungen und Lebenswegen besteht.

So hat die Zeitzeugenreihe nicht nur Vergangenheit sichtbar gemacht, sondern auch Fragen an die Gegenwart gestellt: Wie gehen wir heute mit Unsicherheit und mit gesellschaftlicher Verantwortung um? Und welchen Beitrag kann jede und jeder Einzelne leisten?

Unser herzlicher Dank gilt Ruth Kühn, Peter Börner, Jan Gerull sowie Karl-Heinz Wiesgen für ihre Offenheit und ihre eindrücklichen Beiträge.

Ebenso danken wir dem Team der vhs für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die gemeinsame Durchführung dieser besonderen Reihe.


Fotos: U. Neusser